Manche Eltern sind sich in Erziehungsfragen nicht einig. Welche Auswirkungen haben unterschiedliche Meinungen auf das familiäre Klima? Und was tun, wenn Ihr Kind Sie ständig gegeneinander ausspielt?

 

1. Eltern erzählen

"Es ist Sonntagnachmittag und draußen regnet es. Unsere Tochter Lena (7 J.) und ich sind im Wohnzimmer. Lena spielt. Auf einmal fängt sie an zu quengeln: "Mama, mir ist langweilig. Ich will fernsehen!" "Nein", sage ich, "das wird zu viel, du willst nachher auch noch die Zeichentrickserie anschauen." Im selben Moment härt sie ihren Vater ins Zimmer kommen, rennt auf ihn zu und umschmeichelt ihn: "Papa, ich hab dich lieb. Erlaubst du mir, fernzusehen?" Mein Mann streichelt ihre zersausten Haare und sagt: "Ja, mein Schatz!". Lena ruft: "Siehst du Mama! Papa hat es mir doch erlaubt!". Ich schaue verärgert meinen Mann an und denke im Stillen: Unsere Tochter hat wieder mal das erreicht, was sie wollte."
Renate K. (29 J.)

 

"Das Zimmer unseres Sohnes Alex (6 J.) ist immer so chaotisch. Ich kann Unordnung nicht ausstehen. Deshalb gibt es bei uns oft Streit. Als ich neulich sein unaufgeräumtes Kinderzimmer sah, bin ich richtig sauer geworden. Ich habe Alex angeschrieen, er solle gefälligst diesen Saustall aufräumen. Mein Mann greift nie in das Geschehen ein. Deshalb beschuldige ich ihn oft: "Kannst du ihn nicht zurechtweisen?! Dich stört das Chaos wohl nie! Er sagt dann immer: "Ich verstehe nicht, wieso du dich immer so aufregen musst. Wenn's ihm zu dreckig wird, räumt er schon von selbst auf!".
Karin L. (34 J.)



2. Was sind Erziehungsprinzipien und Erziehungsstile?

Unter dem Begriff "Erziehungsstil" werden elterliche Handlungsweisen und Wertvorstellungen verstanden. Welchen Erziehungsstil ein Elternteil vertritt, ist von seiner individuellen Wesensart, dem Charakter abhängig. Gewöhnlich unterscheidet man drei Erziehungsstile:

 

  • Demokratischer (= autoritativer) Erziehungsstil
  • Permissiver (= laisser-faire oder auch erlaubender) Erziehungsstil
  • Autoritärer (= autokratischer) Erziehungsstil


Jeder dieser Stile hat seine eigene Charakteristik - und erzeugt bei Kindern ein jeweils typisches Verhaltensprofil. Man kann sie aus folgenden Erziehungsgrundsätzen ableiten:



Demokratischer Erziehungsstil: "Freiheit in Grenzen"

 

Eltern ermöglichen Kindern aus den Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu lernen. Dabei achten sie darauf, dass Kinder nur so viel Selbstbestimmung zugestanden bekommen, wie sie verantwortungsbewusst ausüben können.



Permissiver Erziehungsstil: "Freiheit ohne Grenzen"

 

Eltern lassen ihre Kinder tun, was sie wollen, ohne sie daran zu hindern.



Autoritärer Erziehungsstil: "Grenzen ohne Freiheit"

 

Eltern nehmen in einer stark einschränkenden und strafenden Weise Einfluss auf das Verhalten und die Entwicklung ihrer Kinder.  

(nach Schneewind, Freiheit in Grenzen, interaktive CD-ROM, 2003)



Es ist ganz natürlich, dass Eltern unterschiedliche Erziehungsstile haben. Vielleicht favorisieren Sie einen demokratischen Stil und glauben, dass man Kindern erlauben sollte aus den Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu lernen? Ihr Partner dagegen ist davon Überzeugt, dass man Kinder alles tun lassen sollte, was ihnen gefällt und vertritt damit den Laisser-faire Stil? Dies bedeutet nicht, dass ein Elternteil besser oder schlechter erzieht. Wie Sie Ihr Kind erziehen, ist Ausdruck Ihrer Wertvorstellungen und Ihrer Persönlichkeit.



3. Erziehungsalltag

Kommt Ihnen folgender Satz "Du lässt dem Kind zu wenig Freiheit!" bekannt vor? Dann könnte dies der Auftakt zu einer Familiendiskussion sein. Gründe hierfür können z.B. Ihre unterschiedlichen Erziehungswerte und Erziehungsziele sein. Aber woran können sich Eltern in einer Zeit orientieren, in der es nicht mehr ein Wertesystem gibt, sondern Dutzende, die sich auch noch ineinander verschränken? Heute hält es jeder anders mit der Erziehung. Verbindliche Richtlinien gibt es nicht mehr. Die Presse spricht von 15% der Kinder, deren Eltern die komplette Kindheit verplanen. Sie lernen Englisch sprechen, Geige spielen oder Ballett tanzen. Es sind Eltern, die ihr Kind für die Leistungsgesellschaft rüsten wollen und damit schon früh beginnen. Für sie spielen Werte, wie Gehorsam, Ehrgeiz und Eigensinn eine große Rolle. Allesamt Wertvorstellungen, die den autoritären Erziehungsstil prügen. Vielleicht gehört Ihr Partner genau dieser Elterngruppe an, die ihre Kinder verplanen und dessen Erziehungsprinzip "Grenzen ohne Freiheit" lautet? Sie dagegen legen Wert auf "Freiheit in Grenzen" und wüssten Ihr Kind lieber mit Gleichaltrigen spielen, anstatt Blockflöte-üben. Vielleicht umschreibt folgender Satz "Wenn Zwei sich streiten, freut sich der Dritte" Ihre familiäre Situation? Wie oft kommt es vor, dass Ihr Kind Sie gegeneinander ausspielt? Kinder haben schnell herausgefunden, bei wem es was zu holen gibt: mehr Taschengeld beim Papa; die Erlaubnis, Zeichentrickfilme zu sehen, bei Mama. Keine gute Voraussetzung für das Familienklima. Wichtig ist, dass sich Eltern vor Kindern nicht über ihre Wertvorstellungen streiten, oder die Kinder als "Parteigenossen" zu gewinnen suchen. Besser ist deshalb, wenn Sie Ihrem Kind gegenüber Einigkeit demonstrieren. Was Mama sagt, gilt für Papa, und umgekehrt. Uneinigkeit kann nämlich bei Ihrem Kind Unsicherheit und mangelndes Vertrauen in elterliche Kompetenzen auslösen. Wenn Sie dennoch keinen gemeinsamen Konsens finden, kann Ihr Kind das ruhig erfahren. Schließlich sollen Sie ja authentisch bleiben. Es muss nur jeweils klar sein, was das Kind letztendlich tun soll. Dabei hilft Ihnen die Einführung familiärer Regeln, Grenzen und Rituale.



4. Neue Wege gehen

a. Kinder verstehen lernen

 

Fallen Sie Ihrem Partner nicht in den Rücken!

 

Im ersten Beispiel spielt Lena ihre Eltern absichtlich gegeneinander aus. Weil Mama ihr nicht erlaubt, fernzusehen, bittet sie Papa um Erlaubnis. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Papa ihr Manches erlaubt, was Mama verboten hat. Lenas Verhalten ist Ausdruck elterlicher Uneinigkeit. Würde der Vater auf Lenas Frage mit "Was hat Mama gesagt?" oder "Da muss ich erst mal deine Mutter fragen" antworten, würde Lena klar werden, dass Papa Mama nicht in den Rücken fallen wird und sie die Eltern nicht gegenseitig ausspielen kann.



b. Sich selbst beobachten Welche Erziehungsgrundsätze haben Sie?

 

Eine repräsentative Studie des Deutschen Jugendinstituts ergab, dass Aufräumen Konfliktthema Nummer eins im Kinderzimmer ist. Um dieses Streitthema geht es im zweiten Beispiel. Beide Elternteile haben unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung. Die Mutter stört ein unordentliches Kinderzimmer. Sie fühlt sich gekränkt und missverstanden, als ihr Mann dem Sohn die Entscheidung überlässt, wann er aufräumt.



Einigen Sie sich auf ein Minimum an Regeln!

 

Wenn Sie familiäre Unstimmigkeiten vermeiden wollen, sollten Sie mit Ihrem Partner an einem Strang ziehen. Klären Sie mit Ihrem Partner Ihre Erziehungsgrundsätze ab. Stellen Sie sich gemeinsam die Frage, was Sie Ihrem Kind auf den Weg geben möchten und wie Sie Ihre Erziehungsziele konkret im Alltag umsetzen wollen. Einigen Sie sich dann auf Werte, die Sie wirklich tagtäglich leben wollen.



5. Lösungsvorschläge

äberdenken Sie Ihre eigenen Wertvorstellungen.

 

Unser Wertesystem ist nicht starr. Von Zeit zu Zeit sollten wir es überprüfen. Folgende Fragen sind dabei hilfreich:

  • Welche Werte sind mir wichtig?
  • Welche Erziehungsziele habe ich?
  • Habe ich mich bewusst für diese Werte entschieden?
  • Stammen sie aus meiner eigenen Erziehung ab?
  • Stimmt mein Wertesystem mit dem Überein, was ich meinem Kind auf den Lebensweg mitgeben möchte?

 

Fragen Sie Ihren Partner, welche Werte ihm wichtig sind.

 

Wissen Sie, welche Werte Ihrem Partner besonders wichtig sind? Versuchen Sie ganz in Ruhe herauszufinden, welche Wertvorstellungen Ihr Partner hat. Fragen Sie sich:

  • Welche Lebenseinstellung hat mein Partner?
  • Welche Werte und Erziehungsziele hat mein Partner?

 

Finden Sie gemeinsame Familienwerte.

 

Sie werden wahrscheinlich nicht in allen Werten hundertprozentig mit Ihrem Partner übereinstimmen. Das ist völlig normal. Diskutieren Sie zuerst über Ihre Vorstellungen. Versuchen Sie sich dann auf Werte zu einigen, die Sie gemeinsam vertreten wollen. Fragen, die Ihnen dabei helfen:

 

  • Gibt es Werte, die uns beiden wichtig sind?
  • Gibt es Werte, die mir/meinem Partner wichtiger sind?
  • Kann ich/mein Partner diese Werte tolerieren?
  • Wie können wir unsere Wertvorstellungen unserem Kind vermitteln?

 

Jeder hat eigene Vorstellungen davon, was für sein Leben wichtig ist. In einer Partnerschaft können Wertvorstellungen so individuell verschieden sein, wie die Charaktere der Eltern unterschiedlich sind. Solange Eltern selbst kein stimmiges Wertesystem haben, können sie ihren Kindern gegenüber keinen eindeutigen Standpunkt einnehmen. Erst wenn Sie sich persönlich klar gemacht haben, welche Werte Sie vertreten, können Sie diese auch mit Ihrem Partner absprechen. Eine so gefestigte Haltung hilft Ihnen im Umgang mit Ihrem Kind; auch in kritischen Situationen.

  • Transparenz und Zuverlässigkeit

    Ihre Spenden werden von Bündnis für Kinder sorgfältig und in Ihrem Sinne verwendet. Deshalb lässt sich die Stiftung zum Ende eines jeden Geschäftsjahres auf freiwilliger Basis prüfen. 

  • Wir beraten Sie gern

    Wenden Sie sich an uns – wir antworten so schnell wie möglich:

    Frau Ursula Kaiser
    Frau Ulla Neumann

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